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Historische Rechts- und Gesetzestexte Online

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1. Juni 1816

Die Gründung der Österreichischen Nationalbank

Bildquelle:Oesterreichische Nationalbank. ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung (POR). Signatur: 86.527 B

In seinem Patent vom 26. Februar 1810 erläutert Kaiser Franz I. einleitend die Ursachen für die grassierende Inflation in der Habsburgermonarchie. Er erwähnt die Finanzierung der Koalitionskriege seit 1792 sowie Reparationszahlungen an das siegreiche Frankreich. Weiters nennt er das "Zurückströmen der Bancozettel aus den abgetretenen Provinzen in die Hauptstadt Unserer Reiche" (Wiener Zeitung, 3. März 1810, S. 9), jener Gebiete, die er gegen Napoleon eingebüßt hatte. Und schließlich war der Monarch nicht geneigt gewesen - "um den Wohlstand Unserer Unterthanen so viel möglich zu schonen" (Wiener Zeitung, 3. März 1810, S. 9) – die Steuerlast in dem Maß anzuheben, "die den damaligen Staatsauslagen angemessen gewesen wären." (Wiener Zeitung, 3. März 1810, S. 9). So klingt Rechcertigung von des Kaisers Gnaden.

1810 jedenfalls befanden sich die sogenannten Bancozettel im freien Fall. Sie waren 1762, als erstes österreichisches Papiergeld, vom Wiener Stadtbanco in Umlauf gebracht worden. Der Stadtbanco, die Bank der Stadt Wien, unterstand dabei der direkten Kontrolle der Hofkammer, also dem kaiserlichen Finanzresort.

1811 folgt der Staatsbankrott. Die im Umlauf befindliche Papiergeldmenge hatte den inflationären Scheitelpunkt überschritten und musste im Verhältnis 5:1 abgewertet werden. So verlautbart im sogenannten Bankrottpatent vom 20. Februar 1811 (vgl. Politische Gesetze und Verordnungen 1791-1848, 14. Neuestes Finanz-Patent, 20. Februar 1811, S. 51).

Mittlerweile zirkulierten über eine Milliarde entwerteter Gulden. Genauer gesagt waren es „EinTausend Sechzig Millionen, Sieben Mahl Hundert Neunzig Acht Tausend, Sieben Hundert Fünfzig drey Gulden“ wie es die k.k. Staats-, Credits- und Central-Holuchhaltung akribisch erhoben hatte und am 2. März 1811 in der Wiener Zeitung verlautbarte. Die neue Währung hieß "Wiener Währung" und ihre Emission traf auf den Argwohn der Bevölkerung. Papiergeld traute man nicht. Zurecht, denn die Vertrauenskrise verschlimmerte sich als Franz I., unter dem Druck des gewaltigen kriegswirtschaftlichen Finanzbedarfs, seine autokratische Geldpolitik fortführte und damit die nächste Inflationswelle in Gang setzte.

Es war ein heiterer Samstag bei mäßig starkem Wind und 16,5° Réaumur [21°Celsius] jener 1. Juni 1816 an dem der Monarch sein Haupt schließlich beugte und eine teilautonome Institution begründete, der er das Emissionsmonopol überantwortete. Das Finanzpatent (vgl. Politische Gesetze und Verordnungen 1791-1848, 70. Finanz-Patent vom 1. Juni 1816, S. 248) und das Bankpatent stehen am Anfang der "privilegirten oesterreichischen National-Bank" (Politische Gesetze und Verordnungen, 71. Gesetz, S. 199)

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