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Historische Rechts- und Gesetzestexte Online

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Kinder in Öfen zu stecken ist verboten!

Österreichische Jugendschutzgesetzte im Laufe der Zeit

Bildquelle: Kleiner Bub mit Schiebermütze und Pfeife im Mund. Autor: Willams Sophus. 1900. ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung (POR). Signatur: Kor 133/E

Die Jugendschutzgesetze fallen heutzutage in Österreich in die Zuständigkeit der Bundesländer. Aus diesem Grund gibt es neun unterschiedliche Fassungen, die je nach Aufenthaltsort bis zum 18. Lebensjahr gelten. Noch größere Unterschiede in den Vorstellungen über die Gefahren, vor denen Jugendliche geschützt werden sollen, findet man in den Gesetzen aus vergangenen Jahrhunderten.

Im Jahr 1916 war beispielsweise die Jugendzeit um ein Jahr kürzer als heute (bis zum 17. Lebensjahr). Kürzer waren auch die Ausgehzeiten. Schon ab 9 Uhr abends war es Jugendlichen verboten, sich in der Öffentlichkeit "herumzutreiben", sowie Gaststätten zu besuchen. Dies galt auch in Begleitung von Erwachsenen. Die einzige Ausnahme waren die Erholungsaufenthalte auf Reisen und Wanderungen (vgl. Landesgesetzblatt Tirol und Vorarlberg 1848-1918, 59. Kundmachung 1916, S. 189).

Während die Jugend von heute vor Solariumbesuchen und Medien mit diskriminierenden oder gewaltbejahenden Inhalten bewahrt wird (vgl. HELP.gv.at, aufgerufen am 29. August 2016), mussten die Jugendlichen Anfang des 20. Jahrhunderts auf unnütze Luxusgegenstände, Spielwaren und Schundliteratur verzichten (vgl. Landesgesetzblatt Tirol und Vorarlberg 1848-1918, 59. Kundmachung 1916, S. 191)

Heute gilt das als selbstverständlich, aber Kinder gegen Krankheiten in den Ofen zu stecken, musste im Theresianischen Gesetzbuch erst verboten werden: "Den einfältigen Bauersleuten wird die Heilungsart der Krätze, - die Kinder nach der Brodbackung in den Ofen zu stecken, - verboten" (Theresianisches Gesetzbuch 1774-1776, 1594. Gesetz 1774, S. 60). Auch der Umgang mit Waffen musste geregelt werden: "Nachdeme mehrere erfolgte Unglücksfälle von Kindern erschossener Personen lediglich von daher entspringen, weilen die geladene Feuergewehr von den Besitzern nicht hinlänglich vor den Kindern verwahret, und versperret werden. Solchemnach solle ein ieder hausbesitzer, und Innwohner, welcher geladene Feuergewehre besitzt, solche […] vor den Kindern versperren" (Theresianisches Gesetzbuch 1760-1765, 757. Gesetz 1764, S. 28).

Das Rauchen war für die Kinder und Jugendliche 1925 genauso unzulässig wie heutzutage. Es lag allerdings am Trafikanten zu beurteilen, ob ein Kind die Zigaretten wirklich im Auftrag der Eltern einkaufen ging oder nicht (vgl. Landesgesetz- und Verordnungsblatt für Tirol, 38. Gesetz 1925, S. 53).

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